Eine Schule für Alle! Inklusion in Teltow-Fläming

Veröffentlicht am 23.01.2012 in Bildung

Bericht von Heino Mass aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) vom 20.01.2012

BLANKENFELDE - Im Bereich der Bildung wird der Begriff Inklusion verwendet für ein neues Programm, das von der UN-Behindertenrechtskonvention zum gemeinsamen Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten auf den Weg gebracht wurde. Dabei hat Deutschland Nachholbedarf – auch das Land Brandenburg nimmt sich jetzt dieses Themas an.

Seitdem sich das Bildungsministerium in Potsdam mit ersten Plänen dazu äußerte, wird überall darüber diskutiert. Die Förderschulen für schwer Lernende sollen in den allgemeinen Schulen aufgehen, und zwar in den nächsten Jahren. Insofern spielt das Vorhaben bei den Schulentwicklungsplänen eine zentrale Rolle. Und es wird unter Eltern, Schülern und Lehrern diskutiert, denn zu viele Fragen sind noch völlig offen.

Am Mittwochabend lud der SPD-Ortsverband Blankenfelde-Mahlow in die Grüne Passage nach Blankenfelde zur Diskussion ein. Er hatte sich kompetente Leute ins Podium geholt. So Petra Brückner, Leiterin einer Integrationskita in Königs Wusterhausen und Mitglied am Runden Tisch für Inklusion sowie Vorsitzende des Bildungsausschusses in Großbeeren. Daneben saßen Wolfgang Dannebaum aus Blankenfelde vom Vorstand des Vereins Fairmade Plus, der den Verkauf und die Vermarktung von Produkten und Leistungen unterstützt, die einen Wertschöpfungsanteil von 15 Prozent durch Einbeziehung benachteiligter Menschen erreicht. Mit dabei waren auch Dietlind Biesterfeld und Matthias Knake vom Vorstand des SPD-Ortsverbandes. Abgesagt hatten eingeladene Vertreter der Förderschule Mahlow, des Schulamtes sowie des Bildungsministeriums.

Inklusion bedeutet: Alle Kinder lernen gemeinsam in einer Schule. Alle Kinder haben gleiche Chancen auf Bildung. Individuelle Fähigkeiten können sich voll entfalten. Diskriminierung und Beeinträchtigung von Fähigkeiten und Begabungen sind ausgeschlossen. Das ist das Ziel der UN-Konvention, die seit dem 19. Dezember 2008 in Deutschland gilt und im November 2009 von der Landesregierung im Koalitionsvertrag verankert wurde.

„Im Kreis Teltow-Fläming haben sich bislang drei Schulen für das Pilotprojekt beworben“, informierte gestern auf Nachfrage Schulrat Erich Bause vom Staatlichen Schulamt Wünsdorf. „Unsere Otfried Preußler-Oberschule ist mit dabei“, ergänzte Carl Ahlgrimm, Bürgermeister der Gemeinde Großbeeren. Der Hauptausschuss hatte am Mittwochabend mehrheitlich eine Bewerbung beim Land befürwortet.

Die Probleme liegen in den Details, das wurde bei der Diskussion in Blankenfelde schnell klar. Es geht um die Ängste der Eltern von nicht-behinderten Kindern, es geht vor allem um Finanzen, um bauliche Ausstattungen, um Fortbildung der Lehrkräfte, um neue Lehrkräfte.

Einige Mütter mahnten an, die Inklusion bereits in den Kindergärten durchzuführen. „Kita-Kinder, die mit behinderten Gleichaltrigen spielen, werden sie später in der Grundschule nicht hänseln, sondern ganz normal mit ihnen weiter spielen“, meinten sie.

Die anwesenden Lehrer forderten die Einbeziehung der Inklusion als Bestandteil des Studiums. „Die Ausbildung der Erzieher und Lehrer muss komplett umgekrempelt werden“, waren sie sich einig.

Als Fazit der Diskussion betonte Petra Brückner: „Die Schule muss fähig sein, jedes Kind aufzunehmen. Bislang heißt es: Die Kinder müssen für die Schule fähig sein. Diese Sichtweise muss sich ändern!“ (Von Heino Mass)

 

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